Die Geschichte der Psychedelika
Wenn wir an Psychedelika denken, neigt unser Gehirn immer noch dazu, Magic Mushrooms automatisch mit den 70er Jahren in Verbindung zu bringen. Fast augenblicklich werden Bilder von bunten Hemden, wütenden Protesten und ikonischen Afros heraufbeschworen. Die Geschichte der Psychedelika, bzw. deren Konsums, reicht jedoch weit in die Vergangenheit zurück, noch bevor das geschriebene Wort existierte. Damals verließen sich die Menschen vor allem darauf, dass der Pilz, den sie konsumierten gut und das Risiko einer eventuellen Vergiftung wert war.
Was sind Psychedelika?
Laut der „Alcohol and Drug Foundation“ sind Psychedelika (auch als Halluzinogene bekannt) eine Klasse psychoaktiver Substanzen, die Veränderungen der Wahrnehmung, der Stimmung und der kognitiven Prozesse hervorrufen.
Psychedelika wirken auf alle Sinne und verändern das Denken, das Zeitgefühl und die Emotionen einer Person. Sie können auch zu Halluzinationen führen, bei denen man zum Beispiel Dinge sieht oder hört, die nicht existieren oder verzerrt sind. Wie auch immer, es gibt viele verschiedene Arten von Psychedelika. Einige kommen in der Natur vor, in Bäumen, Reben, Samen, Pilzen und Blättern. Andere Psychodelika werden in Labors hergestellt.
Die gängigsten Formen von Psychedelika sind Psilocybin, LSD, Peyote, DMT, Ayahuasca und MDMA, aber sie können auch in anderen Substanzen vorkommen. Unabhängig von der Form, in der sie vorkommen, gibt es einen sicheren Grund dafür, dass frühere Kulturen die wohltuenden und lebensverändernden Eigenschaften genutzt haben. Dabei ging es nicht nur darum die Stimmung und die kognitiven Prozesse beim Menschen wahrzunehmen.
Psychedelika in der antiken Geschichte
Wir wissen, dass Psychedelika seit ihrer Entdeckung oft gemieden und beschimpft wurden, aber Psychedelika galten einst auch als etwas ausschließlich Spirituelles! Die halluzinogene Wirkung von Psychedelika wird seit Tausenden von Jahren in spirituellen und religiösen Zeremonien und Ritualen genutzt. Forschungsergebnissen zufolge könnten Psychedelika auch einen tiefgreifenden Einfluss auf die Entstehung dieser Gesellschaften und Religionen gehabt haben.
In Stein gemeißelt
In Nordaustralien wurden in Felsen geätzte Wandmalereien mit Pilzsymbolen entdeckt, die auf 10.000 v. Chr. datiert wurden und die frühesten psychedelischen Illustrationen darstellen. Anschließend wurden in Europa und Nordamerika Höhlenmalereien mit Psilocybin-Pilzen gefunden, die auf 4 000 Jahre vor Christus datiert wurden.
Die Griechen und ihre Götter
Es gibt nichts Besseres als eine gute Geschichte aus der griechischen Mythologie. Eine dieser Geschichten besagt, dass bei einer antiken griechischen Eleusinischen Feier möglicherweise ein spezielles psychedelisches Getränk getrunken wurde. Bei den so genannten „Eleusinischen Mysterien“ nahmen die Ritualteilnehmer eine Flüssigkeit zu sich, die Psilocybin-Pilze und Amanita-Pilze enthielt – eine ziemlich starke Mischung!
Diese Mysterien verdanken ihren Namen der Tatsache, dass sie damals geheimnisumwittert waren und der Tod drohte, wenn das Wissen über die Rituale den Teilnehmern irgendwie preis gaben. Wegen dieser harten Strafe mieden manche Menschen die Rituale ganz. Die Zeremonien wurden in der Regel von Angehörigen der Oberschicht und prominenten Intellektuellen, Künstlern und Philosophen wie den berühmten Platon, Homer und Aristoteles besucht.
„Das Fleisch der Götter“…
…glaubten die Ureinwohner Mittelamerikas in den Pilzen zu sehen und nannten sie Teonanácatl. Dies bedeutet „das Fleisch der Götter“. Viele religiöse Mythen der Azteken, Mayas und Tolteken beziehen sich auf Pilze. Ihre Kunstwerke (aus der Zeit zwischen 1300 und 1521 n. Chr.) lassen vermuten, dass sie glaubten, Pilze könnten zur Kommunikation mit den Göttern verwendet werden.
Die Väter der psychedelischen Neuzeit
Unterschiedliche Personen haben in der jüngeren Geschichte der Psychedelika eine wichtige Rolle gespielt. Hier eine kleine Zusammenfassung:
R. Gordon Wasson
Wasson, ein erfolgreicher Banker und großer Fan von Magic Mushrooms, reiste durch Mexiko, als er in eine Mazatec-Zeremonie geriet. Die Rituale der Mazateken werden von einem Schamanen durchgeführt und beinhalten die Einnahme von Psilocybin. Um mit Gott zu kommunizieren und Erleuchtung zu finden, was nicht weit von den Ideologien der alten Kulturen entfernt ist, nahmen diese die Pilze ein. In einem Exposé des Life Magazine aus dem Jahr 1957 prägte Wasson den Begriff „Magic Mushrooms“, der die Aufmerksamkeit einer Vielzahl von Menschen auf sich zog, darunter auch Albert Hoffman.
Albert Hoffman
Wasson brachte eine Probe mit, die er an Hoffman schickte, den Schweizer Chemiker, der durch die Entdeckung von LSD bekannt wurde. Hofmann isolierte Psilocybin und entwickelte eine Synthese für die Droge in seinem Labor bei Sandoz Pharmaceuticals, das daraufhin mit der Produktion von 2-mg-Pillen für den Vertrieb zu Forschungszwecken begann.
Timothy Leary
Leary las 1960 in der Zeitschrift Life den Artikel Magic Mushrooms“ und beschloss, nach Mexiko zu reisen und die Droge selbst zu erleben. Als er dort ankam, behauptete er, dass er unwiderruflich verändert worden war und mehr über sein Gehirn und sein Selbst gelernt hatte als in 15 Jahren Schule. Danach kehrte er an die Harvard-Universität zurück und gründete das Harvard Psilocybin Project. In diesem Projekt führte Versuche mit psychedelischen Drogen durch.
Krieg gegen Drogen
Der Krieg gegen Drogen ist nicht neu und geht auf die Bemühungen der Kolonialisten zurück, den Eingeborenen in Amerika den Gebrauch von Psychedelika wie Peyote und Psilocybin zu verbieten. Das Verbot psychedelischer Drogen wurde jedoch erst im zwanzigsten Jahrhundert weitgehend durchgesetzt.
Daraufhin, in den späten 1960er Jahren boomte die Begeisterung für psychedelische Drogen auf den Straßen und in den Labors, doch mit dem Verbot psychotroper Medikamente durch die UN-Konvention von 1971 war bald Schluss. Seit 1969 hatte Richard Nixon deutlich gemacht, dass er kein Fan von Psychedelika war. Zwei Jahre später beschloss er, etwas dagegen zu unternehmen. Er verabschiedete den Controlled Substances Act, mit dem er seinen berüchtigten „Krieg gegen die Drogen“ begann.
Diese Sichtweise auf Psychedelika brachte ein schreckliches Stigma mit sich – tanzende Hippies, wütende Proteste oder jemand, der während einer Halluzination aus dem Fenster springt. All das sollte sich erst in den frühen 2000er Jahren ändern, als die medizinische Forschung begann.
Medizinische Entwicklungen
In der jüngsten Geschichte der Psychodelika, im Jahr 2006, bestätigten Forscher der Johns Hopkins University, was wir schon immer wussten: Magic Mushrooms können für gute Zwecke verwendet werden! Als natürliche Alternative können Magic Mushrooms zur Behandlung verschiedener psychischer Erkrankungen wie PTBS und Angstzustände eingesetzt werden, insbesondere bei unheilbar kranken Patienten.
Seitdem wurden Psychedelika weitgehend entkriminalisiert, erreichen aber immer noch nicht ihre Zielgruppe. Unterstützt durch moderne Technologien und ein neu erwachtes Interesse werden Psychedelika von Wissenschaftlern und Einrichtungen auf der ganzen Welt untersucht. Viele Untersuchungen werden unternommen, um festzustellen, ob Psychodelika bei Krankheiten helfen können.
Auch wenn der Prozess turbulent sein wird, ist die Legalisierung von Psychedelika nur eine Frage der Zeit. Wissenschaftler sind sich bereits des Nutzens bewusst, den sie bringen können. Insbesondere wenn sie in moderaten Mengen verwendet werden. Vielleicht wird Psilocybin schon bald ein fester Bestandteil der normalen Routine von Menschen sein.
Letztes Jahr verabreichten Forscher in Yale Mäusen eine Einzeldosis Psilocybin und stellten nicht nur eine sofortige, sondern auch eine lang anhaltende Zunahme der Neuronenverbindungen fest. Diese Studie beginnt die Aussichten für diejenigen zu verbessern, die mit ihrer psychischen Gesundheit zu kämpfen haben. Zum Beispiel wurde gezeigt, dass durch die Behandlung mit Psilocybin die Neuronen, die bei Depressionen verloren gehen, ihre Verbindungen im Gehirn wiederherstellen können.
Diese und andere Studien sind wegweisend für neue, nicht-pharmakologische Behandlungen von Depressionen, Angstzuständen, PTBS, Stimmungsstörungen und ähnlichem in der Welt der psychischen Gesundheit.
Die Zukunft der Psychedelika
Die Zukunft der Psychedelika sieht rosig aus! Da die Entkriminalisierung und Legalisierung weltweit immer mehr zunimmt, werden die Vorteile immer deutlicher. Sie werden nicht nur von den einzelnen Konsumenten, sondern auch von der wissenschaftlichen Gemeinschaft bestätigt.
In der Zukunft werden neue Behandlungsmethoden in der gesamten psychischen Gesundheitsbranche entwickelt, die den Ansatz in der Therapie psychischer Erkrankungen verändern werden.
Einst dachten Wissenschaftler, dass die Wirkung von Psychedelika einen dazu veranlassen würde, aus dem Fenster zu springen. Jetzt verstehen sie, dass es helfen kann, jemanden davon abhalten, zu springen. Die Stimmung und die Verbindung zur Welt in einem Moment der Verzweiflung werden verbessert.
Das nächste Kapitel der Geschichte von Psychedelika wird die Biotechnologie und die Entdeckung neuer Drogen und ihrer Verwendungsmöglichkeiten sein. Weitere Anwendungen der Drogen werden entwickelt und auf ihren Nutzen hin untersucht werden. So, wie sich diese Veränderungen in der Behandlung vollziehen, wird sich das Stigma, das Psychedelika einst anhaftete ändern. Folglich wird es zu systemischen Veränderungen in der Art und Weise kommen, wie Psychedelika als Droge eingestuft werden und somit wie sie verwendet werden.
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Referenzen
https://adf.org.au/drug-facts/psychedelics/
https://www.visualcapitalist.com/the-history-of-psychedelics-part-1-of-2/
https://www.visualcapitalist.com/the-history-of-psychedelics-part-2-of-2/
https://timeline.com/the-history-of-psychedelics-and-psychotherapy-fe70f72557aa
https://doubleblindmag.com/mushrooms/about-magic-mushrooms/history-of-psilocybin/














